HCOB Whitepaper: Steht Deutschland erneut vor einem Energiepreisschock?
- Nah-Ost-Konflikt bedroht energieintensive Industrien
- Unternehmen sind mit Stagflationsgefahren, Lieferkettenrisiken und erhöhtem Transformationsdruck konfrontiert
- Unternehmen müssen steigende Inflation und Zinsen managen
HAMBURG – Die Hamburg Commercial Bank (HCOB) untersucht in ihrem Whitepaper „Steht Deutschland erneut vor einem Energiepreisschock?“ die möglichen Auswirkungen stark steigender Energiepreise infolge des Iran Konflikts auf Wirtschaft, Unternehmen und Finanzmärkte. „Eine Schlussfolgerung der Analyse ist, dass Unternehmen sich resilienter aufstellen müssen“, sagt Jens Thiele, Chief Investment Officer bei der Hamburg Commercial Bank. „Dies kann beispielsweise durch eigene Kraftwerkskapazitäten oder durch die Inbetriebnahme von Großspeichern geschehen.“ Die Analyse zeigt: „Mit dem Konflikt im Nahen Osten droht der Welt eine neue Energiepreiskrise“, warnt Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank. „Mit einer länger anhaltenden Blockade der Straße von Hormus könnte Deutschland mit einem sogenannten stagflationären Schock konfrontiert sein – ähnlich wie im Jahr 2022/23 nach dem Start der russischen Invasion der Ukraine. Die Inflation würde in diesem Fall deutlich steigen. Insbesondere Nettoenergieimporteure wie Deutschland gerieten dabei in eine gesamtwirtschaftliche Stagnation oder sogar eine Rezession – da Unternehmen mit höheren Kosten konfrontiert sind und private Haushalte Kaufkraftverluste erleiden.“
Energieintensive Industrien betroffen
Besonders gefährdet sind Industriesektoren wie Chemie, Papier, Glas, Keramik und die Metallerzeugung, die bereits 2022/23 massive Produktionseinbrüche hinnehmen mussten. „Vor allem energieintensive Branchen würden einen erneuten Energiepreisschock deutlich zu spüren bekommen“, sagt Jens Thiele. „Viele Unternehmen hatten nach Corona und dem Energiepreisschock aufgrund des Ukraine-Krieges noch keine Zeit, Reserven, bzw. Eigenkapital wieder aufzubauen. Wenn die Energiepreise über längere Zeit hoch bleiben, geraten diese Sektoren überdurchschnittlich stark unter Druck.“
Die höheren Erdöl- und besonders Erdgaspreise treiben auch die Strommärkte. „Noch laufen Gas- und Strompreise nicht parallel – doch bei anhaltend hohen Gaspreisen dürfte sich dieser historische Gleichlauf rasch wieder einstellen“, so de la Rubia. Zugleich geraten durch die Blockade der Straße von Hormus Lieferketten unter Druck: Von Düngemitteln über Primäraluminium bis hin zu Helium für die Halbleiterproduktion sind zahlreiche Industrien betroffen.
Im wahrscheinlichsten Szenario (40 %) steigt der Ölpreis kurzzeitig auf bis zu 150 USD/Barrel. Nach der Aufhebung der Blockade der Straße von Hormus bleibt eine Risikoprämie bestehen und der Ölpreis pendelt sich bei 70 bis 80 US-Dollar ein. „Die Wirtschaft würde mit diesem Szenario relativ gut leben können und die EZB an ihrem aktuellen Leitzinsniveau zunächst festhalten“, sagt de la Rubia. Falls die Straße von Hormus mehrere Monate blockiert bleibt (30 %), könnte der Ölpreis einen längeren Zeitraum über 150 US-Dollar/Barrel verharren. Es käme zu einer globalen Rezession, Deutschlands Bruttoinlandsprodukt (BIP) würde aufgrund der Energieabhängigkeit und der Exportorientierung überdurchschnittlich sinken, die Inflation würde dennoch im Bereich von 2,5 bis 3 Prozent liegen. Ähnliches gälte für die Eurozone. „Die EZB würde den Leitzins in diesem Szenario um bis zu einen Prozentpunkt anheben“, sagt de la Rubia.
Transformationsdruck auf Unternehmen steigt
Auch wenn der Krieg im Nahen Osten – nach gegenwärtig allgemeiner Erwartung – zeitnah beendet werden sollte, erhöht der Konflikt den Transformationsdruck, dem Unternehmen ausgesetzt sind. In den vergangenen Jahren haben sie bereits reagiert: „Während eine zunehmende Anzahl von Unternehmen eine Abwanderung von Teilen der Produktion ins Ausland plant oder schon realisiert hat, streben andere Unternehmen danach, sich durch den Ausbau von Batteriespeichern und eigengenutzten Kraftwerken resilienter gegen Energiepreisschocks aufzustellen“, so de la Rubia. Jens Thiele stellt fest, „dass der massive Anstieg der Energiepreise im Jahr 2022 in Kombination mit dem steigenden Anteil der erneuerbaren Energien Batteriebetreibern einen signifikanten Anschub gegeben hat. Setzt sich der Ausbau in dieser Weise fort, stärkt dies die Resilienz des deutschen Stromnetzes.“
Working Capital und Zinsabsicherungsstrategien
Unternehmen müssen sich darüber hinaus auch überlegen, wie sie kurzfristig auf die gestiegenen Inflations- und Zinsrisiken reagieren. „Das Working Capital steigt tendenziell in einem Inflationsszenario und erhöht damit den Liquiditätsbedarf. Unternehmen können durch Fristentransformation kurzfristige Zinsrisiken abfedern und Hedging-Strategien umsetzen, um langfristige Finanzierungen sicherzustellen“, sagt Chefvolkswirt de la Rubia.
Über die Hamburg Commercial Bank
Die Hamburg Commercial Bank AG (HCOB) ist eine private Geschäftsbank mit Sitz in Hamburg, die auf individuelle Finanzierungslösungen für deutsche und europäische Unternehmen spezialisiert ist. Sie verfügt zudem über eine starke Position in der auf Deutschland ausgerichteten Immobilienfinanzierung, ist ein etablierter Projektfinanzierer in Europa und ein verlässlicher Partner der Schifffahrtsindustrie. Effiziente und sichere Zahlungsverkehrs-Services sowie innovative Lösungen für den Außenhandel ergänzen das Leistungsangebot. Die Bank orientiert sich an etablierten ESG-Kriterien und ist an mehreren Standorten in Deutschland sowie in Amsterdam, London, Luxemburg und Piräus vertreten. Unter der Marke ‚Hamburg Direct Bank‘ bietet die HCOB Tages- und Festgeldanlagen für Privatkunden an. Weitere Informationen unter www.hcob-bank.com.
Die in dieser Pressemitteilung enthaltenen Informationen sind kein Verkaufsangebot für jedwede Art von Wertpapieren der Hamburg Commercial Bank AG. Wertpapiere der Hamburg Commercial Bank AG dürfen nicht ohne Registrierung gemäß US Wertpapierrecht in den USA verkauft werden, es sei denn ein solcher Verkauf erfolgt unter Ausnutzung einer entsprechenden Ausnahmevorschrift.
Diese Presseinformation kann zukunftsgerichtete Aussagen enthalten. Diese Aussagen basieren auf unseren Einschätzungen und Schlussfolgerungen aus uns zum jetzigen Zeitpunkt vorliegenden Informationen, die wir als zuverlässig erachten. Zukunftsgerichtete Aussagen beinhalten sämtliche Informationen, die nicht lediglich historische Fakten wiedergeben, einschließlich Informationen, die sich auf mögliche oder erwartete zukünftige Wachstumsaussichten und zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen beziehen.
Solche zukunftsgerichtete Aussagen stützen sich auf Schlussfolgerungen, die sich auf zukünftige Ereignisse beziehen und hängen ab von Ungewissheiten, Risiken und anderen Faktoren, von denen eine Vielzahl außerhalb der Möglichkeit unserer Einflussnahme steht. Entsprechend können tatsächliche Ergebnisse erheblich von den zuvor getätigten zukunftsgerichteten Aussagen abweichen. Wir können keine Haftung für die Richtigkeit oder Vollständigkeit dieser Aussagen oder das tatsächliche Eintreten der gemachten Angaben übernehmen. Des Weiteren übernehmen wir keine Verpflichtungen zur Aktualisierung der zukunftsgerichteten Aussagen nach Veröffentlichung dieser Information.